Die Lehrbücher des Rolf Schmidt Verlages stellen für die Leser die Rechtsgebiete in anspruchsvoller und erstaunlich detaillierter Weise zusammen, ohne dabei die wesentlichen Bedürfnisse gerade der Studenten aus den Augen zu verlieren. Das vorliegende Werk thematisiert das allgemeine Schuldrecht auf weit über 450 Seiten.
Die Gestaltung des Lehrbuchs ist überzeugend und bietet dem Leser neben dem gut untergliederten Fließtext eine Vielzahl erleichternder graphischer und sonstiger Elemente, um den Stoff zu visualisieren und sonst zu vergegenwärtigen. Die Autoren nutzen Schaubilder, Prüfungsübersichten, Aufzählungen, Beispiele, grau hinterlegte Definitionen und Hinweise für die Fallbearbeitung sowie Beispiele. Die Fußnoten sind umfangreich und bieten den besonderen Service der fett gedruckten Jahreszahlen.
Die einleitenden Kapitel geben dem Leser einen Überblick über Begriffsbestimmungen des allgemeinen Schuldrechts und übliche Prüfungsschritte bei der Fallbearbeitung. Danach wird kurz das Entstehen von Schuldverhältnissen mit Pflichten und Obliegenheiten erläutert, bevor der Inhalt von Schuldverhältnissen genau bearbeitet wird, schön wird hier die Gattungsschuld erfasst. Zunächst folgen dann Kapitel zu Einwendungen und Einreden und Wechsel auf der Gläubiger- oder Schuldnerseite, für den Leser getreu dem üblichen Klausuraufbau, wobei die Aufrechnung sowie der Schuldnerschutz bei Abtretung als besonders gelungen zu nennen sind. Erst dann kommt das Leistungsstörungsrecht als „das“ Thema des allgemeinen Schuldrechts im größten Abschnitt des Buches zur Geltung. Die Bereiche Unmöglichkeit, Rücktritt, Schadensersatzbegehren aufgrund diverser Grundlagen, Gläubigerverzug, Störung der Geschäftsgrundlage und Kündigung aus wichtigem Grund decken das Grundwissen des Lesers vollumfänglich ab. Hervorzuheben sind dabei die Unterkapitel zu den diversen Fristsetzungen samt Entbehrlichkeitsprüfungen, das Vertretenmüssen von einer oder beiden Seiten und die Ansprüche bei Nebenpflichtverletzungen. Ebenfalls lesenswert sind die Darstellungen der Rechtsfolgen für den Gläubiger sowie die Subsidiarität der Anwendung der Lehre von der Störung der Geschäftsgrundlage. Wiederum in einem eigenen Abschnitt stellen die Autoren das allgemeine Schadensrecht vor, wobei hier im Besonderen die Aspekte des Mitverschuldens, der normative Schadensbegriff sowie der Schutzzweck der Norm bei der Schadenszurechnung schön herausgearbeitet worden sind. Das Verbraucherschutzrecht nimmt sodann ein weiteres Kapitel des Buches für sich ein, ebenso die Beteiligung Dritter am Schuldverhältnis, wobei hier gerade die Drittschadensliquidation samt Fallgruppen trefflich zusammengefasst wurde. Die Ausführungen werden durch das Kapitel zur Mehrheit von Schuldnern und Gläubigern beendet, das klar von der Gesamtschuld und deren möglichen Störungen geprägt ist, wiederum ganz im Sinne studentischer Lösungserfordernisse abgebildet.
Dieses Lehrbuch ist zur Einarbeitung in die Materie ebenso zu empfehlen wie zur Repetition. Man muss sich bei der Lektüre im Klaren darüber sein, dass die Autoren Mitarbeit und Mitdenken verlangen und die Thematik dementsprechend stringent präsentiert wird. Wer sich aber diesen Anforderungen stellt, wird einen sicheren Wissensgewinn erlangen.
Die Bücher von Rolf Schmidt folgen einem einheitlichen Schema: Alle examensrelevanten Bereiche werden so dargestellt, dass eine Lektüre weiterer Bücher oder Skripten zur Examensvorbereitung nicht erforderlich ist. Auch der Band zum allgemeinen Schuldrecht hält sich daran. Dies erklärt den respektablen Umfang von fast 500 Seiten: Weniger ist nicht möglich, wenn man eine umfassende Darstellung des allgemeinen Schuldrechts bieten will. Aufgeteilt in 13 Kapitel (von Begriffsbestimmungen angefangen über das Leistungsstörungsrecht bis zu der besonders examensrelevanten Beteiligung Dritter) werden alle Bereiche des allgemeinen Schuldrechts vorgestellt. Diese werden anhand kleiner Beispielsfälle illustriert. Die Neuerungen durch die Schuldrechtsreform sind voll und ohne Brüche in der Darstellung eingearbeitet, der Lesekomfort ist daher sehr hoch. Besonders wohltuend ist auch der Verzicht auf einen ausufernden Fußnotenapparat. Hinweise auf aktuelle Rechtsprechung und Aufsätze in den einscglägigen Studentenzeitschriften erfolgen in der gebotenene Kürze. Insgesamt eignet sich das Buch daher für alle, die eine umfassende, ausbildungsbezogene Darstellung des allgemeinen Schuldrechts erwarten.
Quelle: Jus-Magazin des C.H.Beck-Verlags, Nov/Dez 2005
